• MYSTERY-MINISERIE MIT GEBALLTER FRAUENPOWER

    Picnic at Hanging Rock

    • Serie mit feministischer Botschaft

      Ende des 19. Jahrhunderts war die Rolle der Frau ziemlich genau festgelegt: als schmückendes Beiwerk des Mannes, das bestenfalls im Heim und am Herd Regie führen durfte. In dieser Zeit spielt die Miniserie Picnic at Hanging Rock, die am 10. Mai auf EntertainTV Premiere feiert, ein Remake des berühmten Films, den Peter Weir 1975 ins Kino brachte. Die Botschaft der Serie ist indes eine andere: Denn die Figuren, Schülerinnen eines Mädcheninternats, suchen in einer eingeschränkten Welt mit festen Regeln nach einem eigenen Weg, selbstbewusst und eigensinnig. Die feministische Botschaft ist kein Wunder: Das Team von Picnic at Hanging Rock bestand überwiegend aus Frauen.

    • Worum geht's in "Picnic at Hanging Rock"?

      Der Hanging Rock ist eine mystische Gegend im Süden Australiens. Legenden ranken sich um die zerklüftete Felsformation mitten im Busch. Von den Steinen sollen magnetische Kräfte ausgehen, deren Wirkung sich selbst Menschen nicht so leicht entziehen können. Schwer zu sagen, was davon zutrifft und was erfunden wurde, um die imposante Landschaft noch ein wenig anziehender für Besucher zu machen. Berühmt geworden sind die Felsen jedenfalls durch den Roman Picnic at Hanging Rock der Schriftstellerin Joan Lindsay über das geheimnisvolle Verschwinden dreier Internatsschülerinnen am Valentinstag des Jahres 1900. Der gleichnamige Film des Regisseurs Peter Weir hat diesen Ruhm 1975 in die ganze Welt getragen. Sein Werk gilt als Meilenstein des australischen Films.

      Nun hat sich eine australische Produktionsfirma darangemacht, den bekannten Stoff des Romans – Fantasy trifft History – in einer Mystery-Serie neu aufzurollen: Im Mädcheninternat führt die Leiterin Mrs Appleyard ein strenges Regiment. Als auf einem Ausflug zum Hanging Rock drei junge Frauen verloren gehen, bricht die mühevoll aufrechterhaltene Ordnung langsam in sich zusammen. Autoritäten stürzen vom Sockel, Schülerinnen wachsen über sich hinaus, manch eine verzweifelt an der Wirklichkeit und trifft schwerwiegende Entscheidungen.

    • Die Story

      Starke Frauen in schwierigen Zeiten

      Die sechsteilige Miniserie gewinnt der Geschichte um den rätselhaften Verbleib der jungen Frauen neue und starke Aspekte ab. Vor allem aber kann sie die weiblichen Hauptfiguren präziser und differenzierter zeichnen. Das Remake von Picnic at Hanging Rock erzählt daher keine Schauergeschichte von machtlosen Opfern, sondern entwirft ein Panorama selbstbewusst heranwachsender Frauen, die sich behaupten und einen eigenen Weg finden wollen, statt den vorgezeichneten zu gehen – und das in einem Zeitalter, in dem Unterordnung noch erste Frauenpflicht war. Selbst die sinistre und ungerechte Schulleiterin Hester Appleyard (gespielt von Natalie Dormer), die für dieses Gesellschaftssystem steht, ist eine Figur, die ihr Leben selbst in die Hand genommen hat – vordergründig mit Erfolg, aber zu einem hohen Preis, wie sich herausstellt.

  • Natalie Dormer als Hester Appleyard in einer Folge von „Picnic at Hanging Rock“. Hester Appleyard (Natalie Dormer) leitet das Mädcheninternat mit strenger Hand.
    Marion, Irma und Miranda stehen in weißen Kleidern und mit weißen Hüten auf dem Schulhof. Marion, Irma und Miranda (v.l.: Madeleine Madden, Samara Weaving, Lily Sullivan) verschwinden auf einem Schulausflug.
    Lehrerin Mademoiselle de Poitiers (Lola Bessis). Die Lehrerin Mademoiselle de Poitiers (Lola Bessis) hat eine besondere Beziehung zu ihren Schülerinnen.
    Die traurige Sarah im Garten des Internats. Sara (Inez Curro) leidet unter der Ungerechtigkeit von Mrs. Applexard.
    Die Schülerin Edith sitzt im Hof vor dem College. Neunmalklug und klatschhaft: Edith (Ruby Rees) ist nicht bei allen Mitschülerinnen gut angesehen.
    • Die Frauenpower in und am Set von Picnic at Hanging Rock ist umso erstaunlicher (und erfreulicher), als am anderen Ende der Welt, in Hollywood, viele Schauspielerinnen darüber klagen, dass es immer noch zu wenige starke Frauenfiguren in Film- und Fernsehproduktionen gebe. Doch das Showbiz in den USA befindet sich gerade in einem Umbruch. Die „Time’s up“-Bewegung gegen Sexismus und sexuelle Übergriffe in der Branche hebt auch eine generelle Debatte über Gleichberechtigung bei Besetzung und Bezahlung auf die Tagesordnung – und über das Frauenbild in Filmen und Serien. Die aus Großbritannien stammende Schauspielerin Natalie Dormer, die schon in Game of Thrones und Die Tudors starke Frauenfiguren verkörpert hat, appellierte vor Kurzem an die Drehbuchautoren, nicht immer solche Rollen für Frauen zu schreiben, in denen es um Schuhe, Babys und die Periode geht. Sie sollten lieber gute Geschichten erzählen und am Ende überall dort, wo sie ihren Helden „John“ genannt haben, dessen Namen durch „Jane“ ersetzen.

    • Die Produzentin von “Picnic at Hanging Rock”, Jo Porter. Jo Porter leitet bei Freemantle Australia die Sparte Drama. Sie hat „Picnic at Hanging Rock“ produziert.

      Das Team

      Frauenpower hinter der Kamera

      Anscheinend ist die australische Film- und Fernsehlandschaft schon weiblicher geprägt, wenngleich Picnic at Hanging Rock sicher auch hier eine Besonderheit darstellt. Denn nicht nur der Cast mit vielen jungen Gesichtern und begabten Talenten wird von Frauen dominiert, sondern auch die Produktion lag überwiegend in weiblichen Händen – und zwar an vielen entscheidenden Stellen. Federführende Produzentin der Miniserie ist Jo Porter, seit 2013 Director of Drama bei der Produktionsfirma Freemantle Australia, die Picnic at Hanging Rock für den Sender Foxtel hergestellt hat. Aufseiten des Senders war ebenfalls eine Frau, Penny Win, als Executice Producer für Picnic at Hanging Rock zuständig. Zwei von vier Direktoren von Freemantle Australia sind übrigens Frauen. Bei der global tätigen Muttergesellschaft stehen zwei Frauen an der Vorstandsspitze. Im internationalen Board von Freemantle Media sind von zwölf Mitgliedern immerhin fünf Frauen.

    • Die Regisseurin von „Picnic at Hanging Rock”, Amanda Brotchie, am Set. Amanda Brotchie ist eine erfahrene Fiction-Regisseurin. Die vierte Folge von „Picnic at Hanging Rock”, hat sie inszeniert.

      Das sind gute Voraussetzungen für eine Perspektive, die die Interessen von Frauen vor und hinter der Kamera berücksichtigt – ebenso wie jene der Frauen, die sich die Miniserie anschauen werden.

      Hinter der Kamera standen bei vier der sechs Folgen die Regisseurinnen Larysa Kondracki (1–3) und Amanda Brotchie (4). Kondracki hat in den USA an einigen viel gerühmten Serien mitgearbeitet, darunter Better Call Saul. Brotchie betreibt eine eigene Produktionsfirma, mit der sie Stoffe umsetzt, die ihr am Herzen liegen. Mehr als 20 Preise beziehungsweise Preisnominierungen hat Brotchie bereits für ihre Arbeit erhalten.

      Kaum verwunderlich ist da noch, dass auch die Drehbücher für die sechs Folgen aus der Feder zweier Autorinnen stammen, Beatrix Christian und Alice Addison. Christian hat sich ihre ersten Meriten klassisch als Theaterautorin verdient. Ihre Stücke wurden und werden an vielen australischen Theatern aufgeführt. Addison schreibt seit Mitte der 2000er Jahre für das australische Fernsehen Drehbücher.

    • Die Botschaft

      Lasst es Frauen machen!

      Die geballte Frauenpower war für Natalie Dormer einer der Gründe, bei Picnic at Hanging Rock eine der Hauptrollen zu übernehmen. Das jedenfalls verriet die Schauspielerin einem Reporter bei der diesjährigen Berlinale – die ersten beiden Teile feierten dort eine viel beachtete Premiere. Sie sei stolz, Teil dieses von Frauen dominierten Teams zu sein. Ein großartiges Timing sei das – die Serie passt eben in die aktuellen Debatten um die Rolle von Frauen und um Gender-Gerechtigkeit und das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Dormer unterstützt auch die „Time’s up“-Bewegung aktiv. Auf einer Preisverleihung sagte sie, dass die Zeiten nun endlich vorbei seien, in denen sexuelle Übergriffe vertuscht werden konnten.

      Die Produzentin Jo Porter erklärte, die Serie greife viele lose Fäden aus dem Vorgänger auf und erzähle sie weiter. Mit so viel Frauenpower dürfte doch auch eine weitere Staffel kein Problem sein.

© 2017 FremantleMedia Australia Pty Ltd, Foxtel Management Ltd and Screen Australia (7 Bilder)