• Meine geniale Freundin

    Zwei verbundene Leben



    Im Neapel der 50er-Jahre freunden sich die schüchterne Elena und die rebellische Lila an. Beide wollen der Armut und Brutalität ihres Viertels entrinnen – und schlagen dabei unterschiedliche Wege ein. Die Serie basiert auf dem Bestseller von Elena Ferrante.

    „Meine geniale Freundin“ läuft bei MagentaTV.



    • Bella Italia

      Wer frech wird, fliegt aus dem Fenster

      Ein Smartphone brummt in der Nacht, das Display leuchtet hell in der Dunkelheit. Schließlich greift eine Frau verschlafen nach dem Gerät: „Hallo?“ – „Mama ist verschwunden.“ – „Seit wann?“ – „Seit zwei Wochen.“

      So beginnt die erste Staffel der italienisch-amerikanischen Co-Produktion „Meine geniale Freundin“. In acht Episoden erzählt die Serie die Kindheit und Jugend der Freundinnen Elena und Raffaella, die in einem ärmlichen Viertel im Neapel der fünfziger Jahre aufwachsen und einander ein Leben lang verbunden bleiben.

      Der Anruf und das Verschwinden stehen auch am Anfang des gleichnamigen Romans der italienischen Schriftstellerin Elena Ferrante, der der Serie als Vorlage dient. „Meine geniale Freundin“ erschien 2011 als erster Band einer vierteiligen Reihe, die die Geschichte von Elena und Raffaella bis in die Gegenwart fortführt. Der Romanzyklus, in Deutschland als neapolitanische Saga bekannt, begeisterte die Literaturkritik ebenso wie weltweit Millionen Leser und vor allem Leserinnen. Die Autorin Elena Ferrante hat nun am Drehbuch der Serie mitgeschrieben, beste Voraussetzungen für die originalgetreue Verfilmung des Stoffes.


      Lila verschwindet

      Aber zurück auf Anfang: Die Frau am Telefon, es ist Elena, die Stimme auf der anderen Seite gehört Rino, dem Sohn ihrer Freundin. Rino erzählt, dass seine Mutter nicht nur verschwunden ist, sondern auch alle Spuren ihrer Existenz vernichtet und sogar ihr Konterfei aus Fotografien herausgeschnitten habe. Nach dem Gespräch beschließt Elena, die Geschichte ihrer Freundschaft mit Lila aufzuschreiben. „Mal sehen, wer diesmal das letzte Wort behält“, heißt es im Roman – und so sagt es auch die Ich-Erzählerin in der Serie, die aus dem Off behutsam durch die figurenreiche Geschichte führt.

    • Meine geniale Freundin: Lila und Elena sitzen traurig auf dem Boden. Lila (Ludovica Nasti, li.) und Elena (Elisa Del Genio) haben ihre Puppen im Keller von Don Achille verloren.

      Es folgt eine Reise in den Süden Italiens, nach Neapel, das sich Mitte des vergangenen Jahrhunderts erst noch zu einer modernen Großstadt entwickelt, und dort in ein Viertel armer, einfacher Leute, die man nach heutigen Begriffen bildungsfern und konservativ nennen könnte. Hier sprechen sie im derben neapolitanischen Dialekt, der trotz einer reichen literarischen Tradition als Sprache der Unterschicht gilt und jenseits der Stadtgrenzen kaum verstanden wird. Das spiegelt sich so authentisch in der Serie wider, dass die Episoden selbst im italienischen Fernsehen mit Untertiteln ausgestrahlt werden mussten.

      In dem Arme-Leute-Viertel wachsen die Mädchen Elena Greco und Raffaella Cerullo, genannt Lila, auf. Elena ist Tochter eines Pförtners, Lilas Vater ist Schuster, ein gewalttätiger, jähzorniger Mann, der seinem Sohn an den Kragen geht und Lila aus dem Fenster auf die Straße wirft, wenn sie widerspricht. Gewalt ist in diesem Milieu eher Regel als Ausnahme, Streit wird mit den Fäusten ausgetragen, Hass und Verachtung sind grassierende Gefühle. Und Angst, Angst vor dem Paten Don Achille, der das Viertel beherrscht. Das Italien dieser Serie ist jedenfalls ganz anders als das Bella Italia, das sich die Deutschen in den 50er-Jahren als Urlaubsdestination erobern.


      Die Freundschaft

      Gegensätze ziehen sich an

      Lila und Elena freunden sich in der Schule an, beide gehören zu den Klassenbesten. Doch während Lila scheinbar ohne Mühe noch den schwersten Stoff beherrscht, muss sich Elena den Erfolg hart erarbeiten. Trotzdem ist es Elena, die schließlich auf die Mittelschule geht, die hochbegabte Lila muss in der Werkstatt ihres Vaters mitarbeiten. Die Familie kann sich das Schulgeld nicht leisten, abgesehen davon, dass Lilas Eltern gar nicht einsehen, warum ein Mädchen zur Schule gehen soll, wenn es genauso gut arbeiten kann.

      Lila ist ein eigenwilliges, rebellisches Mädchen, furchtlos und standhaft, schroff und unberechenbar. Sie läuft nicht weg, wenn größere Jungs mit Steinen nach ihr werfen. Über ihre Lippen kommt kein Wort der Entschuldigung, auch wenn Don Achilles ältester Sohn sie wegen einer vermeintlichen Beleidigung in den Würgegriff nimmt. Später, als Heranwachsende, weigert sie sich, den überkommenen Regeln der chauvinistisch geprägten Gemeinschaft zu gehorchen. Ihren Bildungshunger stillt sie, die nicht zur Schule gehen darf, durch die Lektüre unzähliger Bücher, die sie in der Gemeindebibliothek ausleiht. Sie lernt Latein und Griechisch – und ist auch darin ihrer besten Freundin voraus.


      Starke Lila, ängstliche Lenù

      Elena, genannt Lenù, ist zurückhaltend, ängstlich und scheu. Mit großen Augen schaut sie auf eine Welt, die sie nicht versteht, aber deren Regeln sie sich unterwirft. Lenù leidet unter ihrer lieblosen Mutter und auch ihr Vater unterstützt sie eher halbherzig in ihrem Wunsch, weiter zur Schule zu gehen. Eine Lehrerin ist es schließlich, die Lenù hilft – aus nicht ganz uneigennützigen Motiven. Im Viertel muss halt jeder sehen, wo er bleibt.

      Die starke Lila gibt Lenù Halt. Zusammen mit ihr stellt sie sich ihren Ängsten, den Schatten im Keller, dem fiesen Don Achille, den älteren Jungs, der Schulprüfung. Was Lila auch tut, Lenù folgt ihr. Und in Zeiten, in denen Lila abtaucht und sich nicht blicken lässt, fühlt sich Lenù wie halb, unvollständig, schutzlos.

      Ihre Beziehung ist keine Ponyhof-Freundschaft. Auch Rivalität, Streit, Liebesentzug, Eifersucht, Misstrauen haben ihren Platz im Lila-Lenù-Universum. Und doch hält das innige Band zwischen den beiden allen Bewährungsproben stand, es reißt nicht. Es ist Lenù, zu der Lila mit ihren Geheimnissen geht. Die Geschichte, die sie geschrieben hat, zeigt sie als erstes ihrer besten Freundin. Die Schuhe, die sie mit ihrem Bruder heimlich entwirft, darf nur Lenù sehen. Wenn einer der Solara-Brüder Lenù zu nahekommt, stellt sich Lila dazwischen.

      Lenù gelingt es schließlich, den Ort ihrer Kindheit hinter sich zu lassen – aber das ist ein Thema der nächsten Staffeln, die zweite ist bereits in Planung. Lila dagegen bleibt bei aller Rebellion gegen ihre Eltern, die alten Sitten, einen hartnäckigen Verehrer und bei aller Verachtung für die Heuchelei und Unterwürfigkeit ihrer Mitmenschen dem Viertel treu, arbeitet in der Schusterei ihres Vaters, bis sie schließlich in bürgerlichen Wohlstand hineinheiratet. Die beiden Freundinnen stehen sich so gut es geht dabei zur Seite – verbundene Seelen auf getrennten Wegen.

  • Meine geniale Freundin: Freunde und Rivalinnen - Lila und Elena. Freundinnen und Rivalinnen: Lila (Ludovica Nasti, li.) und Elena (Elisa Del Genio) sind die besten Schülerinnen in ihrer Klasse.
    Meine geniale Freundin: Lilas Vater ist jähzornig. Lilas Vater (Antonio Buonanno) ist ein jähzorniger Mann, der seine Tochter nicht zur Schule schicken will.
    Meine geniale Freundin: Elena bekommt Nachhilfe. Elena bekommt Nachhilfeunterricht von ihrer Lehrerin Maestra Oliviero (Dora Romano), die das talentierte Mädchen nach Kräften fördert.
    Meine geniale Freundin: Marcello bedrängt Lila. Marcello Solara (Pietro Vuolo), Sohn des wohlhabenden Barbesitzers, bedrängt Lila (Gaia Girace), die ihn aber hartnäckig zurückweist.
    Meine geniale Freundin: Elena geht auf die Mittelschule. Elena (Margherita Mazzucco) geht auf die Mittelschule und ist dort eine der besten Schülerinnen.
    Meine geniale Freundin: Elena und Lila auf einer Feier. Für Elena und Lila schwärmen einige der jungen Männer des Viertels, doch die beiden sind sehr wählerisch.

    • Die Schauspielerinnen

      Vier Glücksgriffe

      Für die Serie haben die Produzenten und der Regisseur Saverio Costanzo (Hungry Hearts) 9.000 Kinder und Heranwachsende gecastet. Lohn der Mühe: Mit ihren vier Hauptdarstellerinnen haben sie einen echten Glückgriff getan. Vier sind es deshalb, weil die beiden Freundinnen in der dritten Folge das Teenageralter erreichen. Gaia Girace verkörpert von da an die heranwachsende Lila, schön wie von einem anderen Stern, aber mit drohenden Augen und kaum gezügelter Aggressivität in ihrer Mimik. Die pubertierende Elena wird von Margherita Mazzucco als naive Streberin gespielt; schüchtern, in ihrem ganzen Verhalten zurückgenommen, als wäre sie in ihrem Körper eingesperrt. Wie an Marionettenfäden bewegt sie sich durchs Leben, fremdgesteuert.

      In den ersten beiden Episoden spielen Ludovica Nasti (Lila) und Elisa Del Genio (Elena) die beiden Mädchen – und man schaut ihnen staunend dabei zu, mit welchem Ernst und mit welcher Überzeugung sie ihre Figuren zum Leben erwecken. Denn „Meine geniale Freundin“ ist ja keine Kinderserie, auch wenn viele Kinder das Stadtviertel bevölkern. Es ist ein Drama, ein Drama für Erwachsene, in dem Kinder allerhand ertragen müssen, ein Sturz aus dem Fenster ist längst nicht das Schlimmste.

      Auf die zweite Staffel von „Meine geniale Freundin“ dürfen wir schon jetzt sehr gespannt sein. Bitte mehr von der Neapolitanischen Saga, bitte mehr von Elena Ferrante!

    • Meine geniale Freundin: Ludovica Nasti als junge Lila. Ludovica Nasti als junge Lila.
    • Meine geniale Freundin: Elisa Del Genio als junge Elena. Elisa Del Genio als junge Elena.
    • Meine geniale Freundin: Gaia Girace ist Lila als Teenagerin. Gaia Girace ist Lila als Teenagerin.
    • Meine geniale Freundin: Margherita Mazzucco ist Elena als Teenagerin. Margherita Mazzucco ist Elena als Teenagerin.

  • © Foto by Eduardo Castaldo © Wildside/UMEDIA 2018



  • Buchen Sie jetzt MagentaTV und genießen Sie ohne Zusatzkosten die ganze Vielfalt der Megathek.*


    MagentaTV als Komplettpaket

    MagentaTV als

    Komplettpaket
    • Inklusive Internet- und Telefonie-Flat
    • Fernsehen mit rund 100 Sendern, davon 20 in HD
    • Serien und Filme in der Megathek
    • Aufnahmefunktion
    Zum Komplettpaket
    MagentaTV zum Streamen

    MagentaTV zum

    Streamen
    • Unabhängig vom Internetanbieter
    • Fernsehen mit über 50 Sendern in HD
    • Serien und Filme in der Megathek
    • Auf allen Geräten
    Zum Streaming Angebot