Umweltbewusste Mode vs. Fast Fashion

Immer mehr Menschen kaufen Mode umweltbewusster. Gleichzeitig wurde noch nie mehr Kleidung weggeworfen.

Es ist ein blanker Zufall – und doch verkörpert diese eine Zahl nun Problem und Lösung zugleich: 5,8 Millionen. So viele Menschen in Deutschland nutzten 2018 die Sharing-Plattform Kleiderkreisel, um alte Mode zu verkaufen, zu tauschen oder zu verschenken. Einerseits. Auf der anderen Seite werden europaweit jährlich genauso viele Tonnen Textilien weggeworfen. Mit steigender Tendenz.

  • Das Problem: mehr Mode als Abnehmer

    Gegenläufiger könnten die aktuellen Entwicklungen nicht sein. Secondhand-Shops haben in den vergangenen Jahren endgültig das Stigma der ‚Arme-Leute-Läden‘ abgelegt und werden für mehr und mehr – insbesondere jüngere – Menschen sogar zur ersten Adresse beim Modekauf. Demgegenüber steht der erst im vergangenen Jahrzehnt geprägte Begriff der Fast Fashion: Neue Trends von großen Modenschauen werden immer schneller von Textildiscountern imitiert. Statt im Jahreszeiten-Rhythmus kommen heute oft im Monatstakt neue Kollektionen in die Regale – und die alten in den Müll.

    Ein besonders aufsehenerregendes Beispiel für diese Verschwendung ging 2018 durch die Nachrichten, als bekannt wurde, dass die Luxusmarke Burberry im damals zurückliegenden Geschäftsjahr nichtverkaufte Kleidung im Wert von 32 Millionen Euro verbrannt hatte, um sie nicht zu reduzierten Preisen anbieten zu müssen. Man hatte Schäden fürs Nobel-Image befürchtet. So kam es stattdessen zu einem Shitstorm, in dessen Folge Burberry verkündete, künftig von derartigen Praktiken abzusehen. Eine löbliche Entwicklung – aber doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ausschlaggebend ist natürlich die Vielzahl der Textildiscounter, die sogar unter dem Verdacht stehen, Kleidung absichtlich in so minderwertiger Qualität fertigen zu lassen, dass sie nur wenige Wochen hält. Solange dies allerdings mit ‚unschlagbaren‘ Preisen für die Discountertextilien einhergeht, stören sich dennoch die wenigsten Kunden daran.


  • Mehr Magenta: Mehr Mode als Abnehmer


  • Mehr Magenta: Viel Rauch um einen Hauch von nichts


  • Viel Rauch – auch um einen „Hauch von nichts“

    Die Folgen sind dramatisch: 2015 war der Modekonsum in Deutschland bereits um 64 % höher als im Jahr 2000, die Tragezeit eines Kleidungsstücks vor dem Ausmustern allerdings nur noch halb so lang. Eine Umfrage der britischen Ausgabe des Online-Magazins VICE unter seinen mehrheitlich 18- bis 24-jährigen Snapchat-Fans ergab, dass 8 % von ihnen im zurückliegenden Monat zehn oder mehr Kleidungsstücke im Internet bestellt hatten – und 23 % gaben zu, schon einmal Kleidung nach dem allerersten Tragen entsorgt zu haben. Weggeworfenen Textilien landen wiederum zu 75 % auf der Müllkippe oder im Feuer.

    Dabei emittiert die weltweite Textilproduktion auch so schon jährlich zwischen 1,2 und 1,7 Billionen Tonnen CO2 – mehr als der gesamte Luft- und Schiffsverkehr der Welt zusammen. Hinzu kommt der Einsatz von 43 Millionen Tonnen Chemikalien, die sich schon seit Langem in den Ökosystemen der Produktionsländer, inzwischen aber auch in den Lebern arktischer Eisbären nachweisen lassen. Am anschaulichsten sind jedoch folgende Kennziffern: Eine Tonne Stoff benötigt in der Herstellung 300 Tonnen Wasser, eine einzige Jeans bereits unfassbare 7.500 Liter.

        • Mehr Magenta: We Care Icon


      • WE CARE

        Mit dem we care Umwelt-Label will die Telekom einen Beitrag zu mehr Umweltbewusstsein leisten und besonders nachhaltige Projekte und Marken empfehlen.
         

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  • Aus Alt mach Neu

    Dass es auch anders geht, zeigen Upcycling-Labels, die bei Ihrer Mode ausschließlich auf wiederverwendete Materialien setzen. Ob Sandalen aus Autoreifen, Westen aus Militärdecken oder Jacken aus Werbebannern: So manches hätte das Zeug, zum Designtrend zu werden – und meist handelt es sich obendrein um echte Unikate.

    Bei Einzelanfertigungen muss es jedoch nicht bleiben: In Ihrer Doktorarbeit zum Thema Upcycling hat die estnische Modedesignerin Reet Aus gezeigt, dass sich allein aus den Stoffabfällen der Textilindustrie 15 % mehr Kleidung fertigen ließe. Heute kooperiert Aus mit dem bangladeschischen Textilproduzenten Beximco, der u. a. Kleidungsstücke für Calvin Klein, Zara und H&M fertigt. So weiß sie bereits im Vorfeld, welche Stoffreste bei deren Herstellung anfallen, und entwirft auf dieser Grundlage ihre eigenen Designs, die dann sogar in die Massenproduktion gehen können.

    • Tipps für einen umweltbewussten Modekonsum

      • 1. Selber machen

        Laut einer Studie von GREENPEACE haben 73 % der Deutschen noch nie ein Kleidungsstück selbst genäht oder gestrickt. Dabei lassen sich Muster ganz einfach im Internet finden.

      • 2. Reparieren lassen

        Dieselbe Studie ergab außerdem, dass 49 % der Deutschen noch nie kaputte Kleidung professionell flicken oder reparieren ließen und dass 36 % noch nie beim Schuster waren.

      • 3. Auf Ökosiegel achten

        Wie bei Lebensmitteln gibt es inzwischen auch bei Textilien eine unübersichtliche Zahl an Siegeln für umweltverträgliche Ware. GREENPEACE empfiehlt die Labels GOTS und IVN Best.

      • 4. Kleidung tauschen

        Plattformen wie Kleiderkreisel sind ein einfacher Weg, Kleidungsstücke umweltbewusst auszumustern – und im Gegenzug vielleicht ein neues Lieblingsstück zu ergattern.

      • 5. Upcycling-Mode kaufen

        In den letzten Jahren sind zahlreiche Modelabels entstanden, die nur wiederverwendete Materialien nutzen. Das ist nicht nur umweltbewusst – es sieht auch gut aus.

      • 6. Secondhand kaufen

        Auch Secondhandläden sprießen wegen des Vintage-Chics mittlerweile wie Pilze aus dem Boden. Mit ein bisschen Glück findet man dort selbst Designermode zum Schnäppchenpreis.

      • 7. Weniger kaufen

        Durchschnittlich hängen in deutschen Kleiderschränken 95 verschiedene Teile – Unterwäsche und Socken nicht eingerechnet. Bei Frauen sind es sogar 118.

      • 8. Abgelegtes spenden

        Selbst, wer sein Kaufverhalten nicht ändert, kann zumindest bewirken, dass Andere weniger kaufen: Einfach in Zukunft die aussortierte Mode dem Roten Kreuz spenden oder online verschenken.

  • Selbst ist der Modezar

    Was allerdings nicht vergessen werden darf: Auch umweltbewusster Konsum bleibt Konsum. Daher ist nichts nachhaltiger, als einfach mal selbst zu Nadel und Faden zu greifen. Die österreichische Bloggerin Nunu Kaller wagte 2012 den Selbstversuch und kaufte ein Jahr lang keine Kleidung mehr. Mit Erfolg: Ihr Online-Tagebuch mit kreativen Upcycling-Ideen fand so großes Interesse, dass sich sogar ein Verlag dafür fand.

    Ein weiterer Lichtblick: Immerhin 54 % der von VICE befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehen ihren eigenen Modekonsum kritisch. Vielleicht braucht es also nur eine Kleidertausch-Party, um das Kaufverhalten dauerhaft zum Positiven zu verändern – von denen gibt es inzwischen nämlich auch zunehmend mehr.

  • Mehr Magenta: Nachhaltige Mode Jeans


        • Mehr Magenta: Love Magenta Shopping Bag


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