True Crime: das Mordlust-Interview
mit Laura Wohlers und Paulina Krasa

Was bewegt True-Crime-Reporterinnen bei ihrer Arbeit? Das Duo hinter
dem Podcast Mordlust – Verbrechen und ihre Hintergründe gibt Auskunft.

Jeden zweiten Mittwoch sprechen Laura Wohlers und Paulina Krasa in ihrem Podcast über zwei wahre Kriminalfälle aus Deutschland. Die Reporterinnen diskutieren strafrechtliche wie psychologische Aspekte, analysieren Gerichtsprozesse und fragen auch danach, wie sich Straftaten erklären lassen, und ob man sie hätte verhindern können. Im Interview sprechen Sie über ihre Motivation, denkwürdige Fälle und darüber, was sie an Verbrecher*innen interessiert. Außerdem beantworten sie die Frage, ob es das perfekte Verbrechen gibt.

  • Laura und Paulina, seit Mitte 2018 betreibt ihr bei funk den Podcast Mordlust mit über 50 Folgen. Inzwischen zählt er zu den beliebtesten in Deutschland. Wie ist die ,Mordlust‘ bei euch erwacht?

    True Crime hat uns beide schon immer interessiert und als dann in den USA immer mehr True-Crime-Podcasts an den Start gingen, ist uns aufgefallen, dass es in Deutschland ganz anders aussah. Hier gab es kaum ein Angebot. Wir wollten wissen, wie UNSER Justizsystem und UNSERE Gesellschaft mit Verbrechen, Täter*innen und Opfern umgehen, und deshalb haben wir uns einfach selbst an die Recherche gemacht und den Podcast angefangen.

    Wie wählt ihr neue Fälle aus?

    Für jede Folge überlegen wir uns ein Oberthema, das wir interessant finden – zum Beispiel ‚Zivilcourage‘, ‚Cold Cases‘ oder ‚Mobbing‘. Und dann sucht sich jede von uns einen Fall, der zu dem jeweiligen Oberthema passt. Dabei achten wir darauf, dass sich die Geschichten nicht zu sehr ähneln, um möglichst das ganze Spektrum des Themas abzudecken. Wir verraten uns aber nicht, welchen Fall wir vorbereiten, damit es für die andere Person auch noch spannend bleibt. Auf die Fälle stoßen wir dann entweder in Büchern, Artikeln, Dokumentationen oder Podcasts. Mehr Informationen finden wir über die Gerichtsurteile oder die Anwält*innen von Beteiligten.

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Was ist der schwierigste Teil bei der Recherche?

Das kommt immer ganz auf den Fall an. Manchmal dauert es etwas länger, bis man einen Zugang findet oder weiß, wie man die Geschichte erzählen will. Manchmal ist es auch gar nicht so einfach, ausreichend Informationen zu finden, oder es gibt so viele Informationen, dass es eine Herausforderung ist, sich dann auf das Wichtigste zu fokussieren.

Welcher Fall ist euch besonders im Gedächtnis geblieben?

Ein Fall, der bei uns beiden noch bis heute nachhallt, ist der des Apothekers aus Bottrop. Ein Mann, der Krebsmedikamente panschte, und somit nutzlose Medikation an hoffnungsvolle Krebspatient*innen ausgab. Die Geschichte geht uns sehr nah, weil die Opfer sowieso schon ein schweres Schicksal hatten und weil man ihre Hoffnung auf Heilung mit Füßen trat, nur um sich selbst zu bereichern. Wir denken, solche Fälle gehen vielen Personen nahe, weil jeder Mensch doch eigentlich jemanden kennt, der an Krebs erkrankt ist.

Welcher Aspekt ist für euch am interessantesten – die Vorgeschichte, die Tat an sich oder die Folgen der Tat und eine mögliche Verurteilung?

Das kommt wohl auch auf den jeweiligen Fall an, aber besonders interessant finden wir die Vorgeschichte, also die Frage: Wieso wird eine Person zum Täter oder zur Täterin? Aber auch die Folgen einer Tat und wie unsere Gesellschaft und das Justizsystem mit Betroffenen umgehen. Anhand dieser Punkte kann man auf Fehler und Missverhältnisse stoßen und auf diese aufmerksam machen.

Gibt es Täter oder Täterinnen, mit denen ihr Mitleid empfindet?

Wir empfinden zunächst immer erst einmal Mitleid mit den Opfern. Dass man positive Gefühle für Täter*innen hat, kommt selten vor. Was aber manchmal vorkommt, ist, dass sich eine Art Verständnis für die Situation von Täter*innen einstellt – dann nämlich, wenn eine Mutter den Mann erschießt, der ihre Tochter getötet hat, oder wenn eine 15-Jährige zur Terroristin wird, weil sie von klein an durch ihr soziales Umfeld radikalisiert wurde.


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  • Welche Themen wollt ihr unbedingt noch behandeln?

    Wir würden uns gerne mit dem Thema sexueller Kindesmissbrauch beschäftigen. Darum haben wir bisher einen Bogen gemacht, weil es eines der Themen ist, die uns sehr nahe gehen. Aber wir sind zu der Erkenntnis gekommen, dass wir unbedingt darüber sprechen und berichten sollten, auch wenn es wehtut und viele vor diesem Thema lieber die Augen verschließen. Wir müssen uns in Deutschland mit dem Gedanken befassen, dass diese Taten täglich geschehen, damit wir dies nicht mehr tolerieren und sich etwas ändert.

    Ihr seid nicht nur Kolleginnen, sondern auch befreundet. Macht das die Arbeit für euch leichter?

    Auf jeden Fall. Wir können über viele Dinge freundschaftlich sprechen. So bekommt unsere Arbeit auch eine andere Ebene. Unserer Zuhörer*innen wissen, dass wir uns gerne haben, und hören uns unter anderem auch gerade deswegen. Sie haben das Gefühl, bei einem Gespräch mit Freundinnen dabei zu sein.

    Wie schafft ihr es, abends abzuschalten, wenn ihr euch tagsüber mit oft abscheulichen Verbrechen beschäftigt?

    Das ist wie mit jeder anderen Arbeit auch. Irgendwann gewöhnt man sich daran. Wir wollen nicht sagen, dass wir abgestumpft sind, aber wir haben über die Monate auf jeden Fall eine Routine aufgebaut. Die ersten Fälle haben uns emotional sehr angefasst, aber nach einer Zeit professionalisiert sich auch das. Zum Glück. Sonst könnten wir den Job nicht machen.

Was ist eure Lieblings-True-Crime-TV-Sendung?

Schwierig. Es gibt viele tolle Sendungen. Aktenzeichen XY...ungelöst natürlich, die Dokumentarreihe Making a Murderer auf Netflix, aber es gibt auch tolle Formate aus den USA, die gar nicht so viel Aufwand brauchen, wie beispielsweise die Sendung I Survived, in der Überlebende von ihren Geschichten berichten.

Was denkt ihr – wieso ist True Crime so ein Trend?

Wir halten das nicht für einen Trend. Wir glauben, dass die Aufmerksamkeit jetzt mehr auf diesem Thema liegt, weil die Menschen gemerkt haben, dass das nun mal dazugehört. Solche Dinge passieren und es ist wichtig, sie aufzuarbeiten. Über Verbrechen zu berichten, ist ein wichtiger Teil des Journalismus. Wir sollten schon verstehen, warum es nicht sinnvoll ist, jeden Täter oder jede Täterin ein Leben lang wegzusperren, oder einen Fall in den Fokus der Öffentlichkeit lenken, wenn nicht richtig ermittelt wurde. Solche Geschichten lohnen sich, erzählt zu werden, und wir sind froh darüber, dass Menschen sich dafür interessieren.

  • Muss ich mir als True-Crime-Fan Sorgen machen, dass etwas nicht mit mir stimmt?

    Auf keinen Fall. Sonst hätten wir beide uns ja schon längst ärztlich betreuen lassen müssen ;). Bestatter*innen oder Rechtsmediziner*innen sind ja auch durch ein gesundes Interesse zu ihrem Beruf gekommen. Außerdem ist es ganz normal, dass uns emotionale Geschichten mitreißen.

    Deswegen muss man sich nicht schuldig fühlen oder sich Sorgen machen.

    Denkt ihr, es gibt das perfekte Verbrechen?

    Nein, denn Menschen machen Fehler. Natürlich gibt es Vorgehensweisen, die eher versprechen, nicht aufgedeckt zu werden, als einen anderen Menschen beispielsweise auf einem öffentlichen Platz vor vielen Zeug*innen zu erschießen. Aber die behalten wir natürlich für uns ;).


    Vielen Dank für das tolle und aufschlussreiche Gespräch!




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