Interview mit Peter Maffay

Die eigentliche Disziplin in der Musik ist nicht der Sprint, sondern der Marathon. Nach diesem Prinzip ist Peter Maffay nun schon seit über 50 Jahren Teil deutscher Kulturgeschichte.

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Peter Maffay hat sich in seiner Karriere durch etliche Genres gespielt, ist sozial engagiert und seit einigen Monaten als Talkmaster im MagentaTV Format Red Rooster TV zu sehen. Im Interview verrät er, was er in all den Jahren als Musiker und Mensch gelernt hat, und spricht über Songs, die sein Leben prägten.

  • Herr Maffay, seit 2020 sind Sie als Gastgeber von Red Rooster TV, einem MagentaTV Exclusive, on air. Verraten Sie uns, was hinter der Sendung steckt?

    Es sind Begegnungen mit tollen Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen. Ungezwungene, aber auch nachdenkliche, zuweilen äußerst humorvolle, spontane Gespräche entlang einer Songliste, die jeder Gast mitbringt.

    Bei Red Rooster TV sprechen Sie mit Prominenten über Songs, die sie besonders geprägt haben. Lassen Sie uns über die Songs Ihres Lebens sprechen. Welchen Song verbinden Sie mit …

    … Ihrem ersten Besuch in der Disco?

    Mir fällt ein Lied von Bob Dylan ein, das zu seinen schönsten gehört: It’s All Over Now, Baby Blue. Die Band Them, mit ihrem Sänger Van Morrison, veröffentlichte es als Cover 1966. Besonders diese Version gehört zu meinen All-Time Favorites.

    … dem ersten Kuss?

    Es geschah in meiner alten Heimat. Wir waren blutjung und neugierig, und es schmeckte wunderbar. Rote Lippen soll man küssen von Cliff Richard (The Shadows – Lucky Lips – 1963).

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… dem ersten Liebeskummer?

Wir konnten uns nur in den Ferien sehen, im Sommer. Das tat weh! Aber ich war auch noch nicht 16. Love Me Tender von Elvis Presley.

… echtem Rock ’n’ Roll?

Es gibt nur Rock ’n’ Roll. Der unechte ist daher gar keiner! Mystify von INXS.

… der Heimat?

Ich habe zwei: Eine alte, das ist Rumänien, und eine neue: Das ist Deutschland. Zu wissen, wo man hingehört und wo man zuhause ist, ist ein wunderbares Gefühl. Hungarian Dance No. 5 von Martynas.

… einer ganz besonderen Reise?

Am 23.08.1963 fand meine wohl spannendste Reise statt. Zusammen mit meinen Eltern flohen wir aus einer Diktatur in eine Demokratie. Die Reise dauerte nur 2,5 Stunden, aber sie veränderte unser ganzes Leben. Freiheit von Marius Müller-Westernhagen.

… einer schwierigen Zeit in Ihrem Leben?

Alkohol, Zigaretten, Rock’n‘Roll, Überholspur! Schön, schädlich, spannend, gefährlich! Alkohol von Herbert Grönemeyer.

… einem Sonntagmorgen im Bett?

Ich bin gerne früh auf den Beinen. Wenn die Sonne draußen ist, bin ich es auch. Morning Has Broken von Cat Stevens.

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      • MagentaTV: Musik und Talk mit Peter Maffay

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  • Sie haben in Ihrem Leben schon mit vielen deutschen und internationalen Künstlern zusammengearbeitet und viele berühmte Persönlichkeiten kennenlernen dürfen. Wer hat Sie in all den Jahren besonders überrascht und warum?

    Mandawuy Yunupingu, ein Aborigine und großartiger Musiker. Für diese Begegnung mussten wir ans andere Ende der Welt. Mandawuy hat mich nicht nur in seine Familie aufgenommen, sondern uns allen die Augen geöffnet. Für die Probleme und die Diskriminierung der nativen Völker, nicht nur in Australien. Für seine Haltung und sein Wirken – er war ja auch Pädagoge – erhielt er 1992 die höchste australische Auszeichnung. Er wurde zum Australier des Jahres.

    Herr Maffay, Sie sind nun über 50 Jahre im Musikgeschäft. In einem normalen Berufsleben klingt das nach 100 % Routine. Gibt es etwas, das Sie immer wieder neu erleben, oder Situationen, in denen Sie genauso aufgeregt sind wie früher?

    Jede Begegnung mit dem Publikum ist neu und daher spannend. Man weiß nie, wie sie endet. Dies erzeugt eine Grundnervosität, das Lampenfieber. Ein wunderschönes Gefühl, das nie verloren gehen darf.

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Als Kind nahmen Sie Geigenunterricht, später brachten Sie sich das Gitarrespielen bei. Gibt es ein Instrument, das Sie zwar ausprobiert haben, aber mit dem Sie nie warm wurden?

Triangel.

Ihre Karriere ist geprägt von Stilwechseln aller Art. Gibt es ein Musik-Genre, in das Sie für ein Projekt gerne noch eintauchen würden?

Musik ist ein großes Experimentierfeld. Die Übergänge sind von einer Stilistik zur anderen oft fließend. Der Einfluss der unterschiedlichen Kulturen aufeinander ist daher unvermeidbar und gut. „Musik kennt keine Grenzen“, so heißt es im Volksmund. Deshalb hört die Entdeckungsreise auch nicht auf. 

Sie gelten heute als der erfolgreichste deutschsprachige Musiker, haben aber auf Ihrem Weg dahin auch einige Niederlagen einstecken müssen. Als Vorband der Rolling Stones wurden Sie sogar einmal mit Tomaten beworfen. Welchen Tipp geben Sie jungen Künstlern, die nach Großem streben?

In Deckung zu gehen, wenn die Dinger geflogen kommen … Aber Spaß beiseite. Jeder muss seinen eigenen Weg gehen, denn jeder ist auf seine Art einzigartig. Es kann daher keine grundsätzlichen Konzepte geben. Allerdings: sportlicher Ehrgeiz, gepaart mit Disziplin, Demut und Respekt. ‚Wir‘ statt ‚Ich‘. All das kann wichtig sein für die eigene Perspektive und Entwicklung.

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Wenn Sie nicht Musiker geworden wären – was wäre Ihr Plan B gewesen?

Es gab nie einen Plan B.

Seit den 1970ern sind Sie in jedem Jahrzehnt mit mindestens einem Nummer-1-Album in den deutschen Charts vertreten, 19 insgesamt. Was ist Ihr Erfolgsrezept? Wie schaffen Sie es nach wie vor so zuverlässig, den Zeitgeist und Geschmack der Menschen zu treffen?

Die eigentliche Disziplin in der Musik ist für mich nicht der Sprint, sondern der Marathon. Oder, wie beim Boxen, die volle Rundenzahl. Die schafft man, im Gegensatz zum Kicken, meiner Ansicht nach nur im Team. Das Team schützt, übt Kritik, schafft Kreativität und motiviert.

Sie haben in Ihrem Leben zahlreiche Auszeichnungen für Ihre musikalischen, aber auch ehrenamtlichen Leistungen erhalten. Gibt es einen Preis, der Ihnen besonders viel bedeutet?

Die Martin Buber-Plakette 2011. Die erinnert uns daran, dass Rassismus, Antisemitismus und Fremdenhass in unserer Demokratie keinen Platz haben dürfen. Diejenigen, die sich dieser Erkenntnis verschließen, handeln nicht im Sinne einer demokratischen Gesellschaft, vielmehr schädigen sie das Wertegerüst. Was wir brauchen, sind nicht Keile, sondern Brücken.

Sie sind Teil des Charity-Festivals #lauterwerden, mit dem die Telekom Künstler unterstützt, deren Existenz durch die Corona-Krise gefährdet ist. Wie war das für Sie, so ganz ohne Live-Publikum ein Konzert zu geben?

Die Fantasie ist in einer solchen Situation der Schlüssel. Ich habe mich an die fantastische Atmosphäre während unserer drei Auftaktkonzerte der Jubiläumstournee im Frühjahr 2020 erinnert.


      • #lauterwerden Charity-Festival für Bühnenhelfer

        Ein guter Zweck, eine innovative Mixed-Reality-Bühne, nahezu alle deutschen Top-Acts: Mit dem Charity-Festival #lauterwerden wollten Stars wie Die Fantastischen Vier, Joy Denalane, Peter Maffay, Milky Chance und viele mehr Spenden für den Hilfsfonds Crew Nation sammeln. Alle Auftritte des zweitägigen Musik-Leckerbissens sind in der Mediathek von MagentaMusik 360 und bei MagentaTV jederzeit abrufbar. 

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      • Mehr Magenta: #lauterwerden Charity Event

Schon lange setzen Sie sich u. a. mit der Peter Maffay Stiftung für benachteiligte Kinder ein. Darüber hinaus engagieren Sie sich aktiv gegen Ausländerfeindlichkeit. Was hat den Ausschlag für Ihr soziales Engagement gegeben? Haben Sie als Einwandererkind selbst schlechte Erfahrungen machen müssen?

Meine eigene Kindheit, aber vor allem die vielen Reisen an abgelegene Orte dieser wunderschönen Welt, haben mir immer wieder gezeigt, wie verwundbar unser Planet ist, und die Menschen und Kreaturen, die auf ihm leben. Insbesondere die Schwächsten – und zwar die Kinder.

Denken Sie, dass die Corona-Krise uns als Gesellschaft mehr zusammenschweißt und wir fortan solidarischer miteinander umgehen?

Das wäre wünschenswert und sinnvoll. Leider erleben wir im Augenblick teilweise genau das Gegenteil. Das Beispiel USA sollte uns alle alarmieren. Die Gründe der Spaltung dürften, wenn auch im Umfang unterschiedlich, aber doch ähnlich sein. Wichtig ist, alles zu unternehmen und den sogenannten ‚Point of no Return‘ nicht zu überschreiten.

Was geben Sie den Mehr Magenta Lesern für 2021 mit auf den Weg?

Ich wünsche uns allen, so komisch es für einen Rock ’n’ Roller klingen mag, eine gewisse Normalität zurück. Und dass dabei die positiven Erkenntnisse, die es natürlich auch gibt, die Zeit überdauern.


Vielen Dank, Herr Maffay, für das tolle Gespräch!

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